Monteyne Leontine

Leontine Monteyne wurde am 18. März 1898 in Ingelmunster geboren. Während des Ersten Weltkrieges wurde Leontine zweimal von den Deutschen festgenommen und eingesperrt.

Am 11. Oktober 1915 wurde Leontine verhaftet, weil die Deutschen feindliche Liedertexte über den deutschen Kaiser in ihrer Wohnung gefunden hatten. Sie wurde im Gefängnis in Halle an der Saale eingesperrt.

Dank des Tagebuchs von Ernest Schotte weiβ man, dass Leontine nicht die einzige Frau aus der Region war, die im Oktober 1915 verhaftet worden war:

Vor einigen Tagen ist Leontine Monteyne, zusammen mit einer anderen jungen Tochter (Bossuyt) verhaftet worden, weil sie eine flämische, über die Deutschen spottende Parodie auf das Vaterunser verteilt hätten. Heute Morgen wurden noch drei junge Tochter für ähnliche Taten gefangen gesetzt: Tochter Fel. Verhelst, Tochter Cam. Snauwaert und Tochter Benodi Degeldere. Die Tochter Verhelst wurde mittags freigelassen.

Schottes Tagebucheitrag vom 1. November 1915 beschreibt den Prozess von Leontine:

1. November. Heute wurde die Sache des Schreibens und der Verteilung vom spottenden „Vaterunser“ entschieden: Monteyne Leontine, Bossuyt Euphrasie und Degelder Magdalena - allen wurde eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren auferlegt. Verhelst Marie und Snauwaert Juliana bekamen beide eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten.

Alle Zivilisten, die den deutschen Kaiser oder den Besatzer verspotteten, wurden von den Deutschen schwer bestraft. Der Fall Leontine Monteyne war keineswegs ein Einzelfall; auch aus Roeselare sind verschiedene Geschichten bekannt über Zivilisten, die aus denselben Gründen wie Monteyne verhaftet worden sind.

Am 6. Januar 1918 wurde Leontine zum zweiten Mal in Haft genommen. Ihre Vergehen waren Spionage und das Anbieten von Essen und Unterkunft für französische Gefangene. Während des Krieges kam es oft vor, dass Zivilisten in besetzten Gebieten von den deutschen Behörden eine Geld- oder Gefängnisstrafe bekamen, weil sie mit den Kriegsgefangenen sympathisierten. Leontine blieb bis Ende des Krieges eingesperrt. Sie saβ im Lager Holzminden in Siegsburg (Nordrhein-Westfalen).  Am 11. August 1918 wurde sie ins Gefängnis in Diest (Belgien) gebracht, wo sie nach dem Waffenstillstand entlassen wurde.

Leontine kam schlieβlich am 23. November 1918 wieder nach Hause. Sie bekam von der Regierung von König Albert I eine Erinnerungsmedaille. Sie erhielt auch eine Medaille für politische Gefangene 1914-1918.

Photo: Kollektion collectie Willy Vanoutrive