Der scheue Montag (“Schuwe Maandag”)

„Der scheue Montag“ (“Schuwe Maandag”) ist ein Begriff von groβer Bedeutung, wenn man über den Ersten Weltkrieg in der BIE-Region spricht. Am 19. und 20. Oktober 1914 wurden viele Gemeinden und Dörfer dieser Region von den Deutschen gewaltsam eingenommen. Die deutschen Truppen, die an diesen Tagen in die Region kamen, waren junge Kriegsfreiwillige, oft Studenten, die den Krieg als ein groβes Abenteuer betrachteten. Sie hatten eine Ausbildung mit einer Länge von knapp acht Wochen genossen und hatten auβerdem weniger Erfahrung als die alliierten Soldaten, die die Deutschen in unserer Region bekämpfen mussten.

Obwohl die deutschen Soldaten im Laufe ihrer Ausbildung oft Geschichten über belgische Zivilisten mitbekamen, die auf die Soldaten gefeuert hätten, stieβen die jungen Deutschen anfangs kaum auf Widerstand der lokalen Bevölkerung. Lichtervelde konnte zum Beispiel widerstandslos eingenommen werden. Die deutschen Soldaten standen diesem scheinbaren Mangel an Widerstand aber misstrauisch gegenüber und blieben auf der Hut.

Am 19. Oktober waren die jungen deutschen Truppen überrascht, wenn sie plötzlich von französischen Heckenschützen in der Umgebung von Roeselare unter Beschuss genommen worden waren. Zum ersten Mal seit ihrer Ankunft in die Region, sahen die deutschen Soldaten dem Tod und dem Gräuel des Krieges ins Auge. In völliger Panik und wütend wegen dem Überraschungsangriff dachten sie zurück an die Geschichten über die schieβenden belgischen Zivilisten. Sie verdächtigten die unschuldigen Zivilisten, auf ihre Truppen geschossen zu haben. Die Deutschen sannen auf Rache und hinterließen in der Region eine Spur von Verwüstung mit Bränden, Mord und Zerstörung. Zivilisten, die der Teilnahme an der Schieβerei verdächtigt wurden, bekamen den Schimpfnamen „Franc-Tireur“ und wurden hingerichtet. Viele Soldaten plünderten die Weinkeller der Einwohner und steckten in betrunkenem Zustand Häuser in Brand.

Nachdem die Einwohner die Geschichten über die schauderhaften Ereignisse in den Gemeinden rund um Roeselare mitbekommen hatten, ergriffen viele Einwohner von Moorslede, Oekene, Hooglede und Westrozebeke die Flucht. Nach dem „Scheuen Montag“ (Schuwe Maandag) war die ganze BIE-Region besetzt.

Bild: Kollektion Stadsarchief Roeselare