Der Wiederaufbau

Erst nach dem Krieg wurde klar, wie sehr der Krieg die BIE-Region verwüstet hatte. Gemeinden, wie Westrozebeke, Oostnieuwkerke, Moorslede und Dadizele, die in der Nähe der Front lagen, waren dem Erdboden gleichgemacht worden. Auch in den Gemeinden, die etwas weiter von der Front entfernt waren, hatten Bombardierungen und schwere Kämpfe während der Endoffensive viel Schaden angerichtet.

Viele Gemeinden in der BIE-Region sowie viele Gemeinden in der „Westhoek“ (dieWestecke) kamen bei dem „Dienst der Verwoeste Gewesten (Dienst der verwüsteten Regionen) für einen Wiederaufbau in Frage. Nur einige Gemeinden in der BIE-Region, wie Kachtem, Emelgem, Oekene und Ingelmunster, kamen dafür nicht in Frage. Der Dienst war verantwortlich für den Wiederaufbau der Gemeinden, die die finanzielle Verantwortung der Reparaturarbeiten nicht übernehmen konnten.  

In fast allen zerstörten Gemeinden optierte der Dienst für eine schnelle Wiederinstandsetzung und eine Rekonstruktion der Vorkriegsgebäude. In Roeselare hatte man aber vor mit neuen Stilen zu experimentieren. Im Weiler „Batavia“ wurde zum Beispiel ein Gartenviertel gebaut. Dieses Gartenviertel wurde zu einem internationalen Vorbild für einen qualitativ hochwertigen und bezahlbaren Wiederaufbau.

Obwohl am 11. November 1918 der Waffenstillstand unterzeichnet wurde, hielt die Kriegslage in den Gemeinden noch eine Weile an. Eine allgemeine Wohnungsnot verschärfte die Situation.Viele Häuser waren nicht länger bewohnbar und die wenigen bewohnbaren Unterkünfte wurden meistens zur Einquartierung der in der Region anwesenden französischen Soldaten benutzt. Auch die Organisation der Lebensmittelversorgung war nicht optimal, was dazu führte, dass die Lebensmittelrationierung auch nach Kriegsende noch eine Zeit lang weiter geführt werden musste. Einige Gemeinden mussten Sicherheitsmaβnahmen treffen, weil an vielen Stellen noch explodierbare Munition lag.

Nach dem Krieg besuchten die ersten Touristen die Schlachtfelder. Anfangs waren es vor allem Soldaten, die die Schlachtfelder noch ein letztes Mal besuchen wollten bevor sie nach Hause zurückkehrten. Oder Soldaten, die ihren Verwandten zeigen wollten, wo sie gekämpft hatten. Die lokale Bevölkerung verkaufte den Besuchern viele Ansichtskarten und aufpoliertes Kriegsmaterial. Später besuchten auch immer mehr Verwandte die Gräber ihrer Geliebten. Zunächst war das nicht so einfach, da die Friedhöfe über das ganze ehemalig besetzte Gebiet verteilt waren und viele Soldaten auch in Feldgräbern begraben worden waren. Nach dem Krieg entstand die Tradition der Grabpaten. Diese Paten waren Bürger, die sich um die Pflege von bestimmten Soldatengräbern kümmerten. In regelmäβigen Abständen besuchten sie die Friedhöfe, mit oder ohne Verwandte eines gefallenen Soldaten. Viele Soldaten wurden nach dem Krieg identifiziert und in die Begräbnisstätte ihrer Heimatgemeinde gebracht. In der BIE-Region wurden die zahlreichen deutschen Friedhöfe in den Nachkriegsjahren Schritt für Schritt zusammengefügt bis nur vier deutsche militärische Sammelfriedhöfe in den Gemeinden Hooglede, Menen, Vladslo und Langemark übrig blieben. Gefallene Soldaten aus Frankreich wurden meist in ihr Heimatland repatriiert. In Dadizele befindet sich ein britischer Friedhof.

In der Wiederaufbauperiode bekam die BIE-Region mehrmals hohen Besuch. Am 17. Juni 1919 kamen der belgische König Albert I und der ehemalige amerikanische Präsident Woodrow Wilson nach Roeselare. Auch Moorslede wurde von König Albert I besucht, um sich persönlich ein Bild vom entstandenen Schaden zu machen. Im Nachspiel des Krieges wurden viele Denkmäler errichtet und Gedenkzeremonien organisiert.

Bild: Kollektion Dirk Verhelst