Entspannung während des Krieges

Weil die BIE-Region sich an der anderen Seite der Front befand, war diese Region für die Erholung und Ruhe der Soldaten von groβer Bedeutung. Viele Soldaten wurden für einige Wochen in unter anderem Ingelmunster, Izegem und Lichtervelde einquartiert.

Während ihres Aufenthalts mussten die Soldaten einige einfache Aufgaben erledigen: Sie mussten an militärischen Übungen teilnehmen und sich um die Erhaltung ihrer Kleidung und Rüstung kümmern. Daneben vertrieben sie sich hinter den Gebieten der Frontlinie die Zeit mit zahlreichen Entspannungsaktivitäten. Musik war der beliebteste Zeitvertreib unter den Soldaten. In Izegem, in der Bürstenfabrik von Aimé Dupont-Bourgeois, wurde ein Musikverein für die deutschen militärischen Chauffeure gegründet, der von der lokalen Bevölkerung den Spottnamen „Blechmusik“ bekam. In Moorslede wurde das Haus von René Denecker, einem Brauer, zu einem Proberaum mit dem Namen „das Musikhaus“ umgebaut.

Dazu konnten die Soldaten auch ins Kino gehen. Der Kinosaal in Izegem trug den Namen „Flandria“ und in Lichtervelde konnten die Soldaten sich im Kinosaal „de Zwaan“ einen Film ansehen. In Lichtervelde konnten sich die Soldaten sowie die Zivilisten jeden Abend einen Film zum gleichen Preis ansehen. Auch in Ingelmunster, wo das Gemeindezentrum „Den Tap“ den Konzertsaal zur Verfügung stellte, konnten sowohl Soldaten als auch Zivilisten ins Kino gehen. Weiter trieben die Soldaten auch Sport, unter anderem Tauziehen und Fuβball,  als Zeitvertreib. Die deutschen Soldaten konnten auch Bücher kaufen in Buchhandlungen, unter anderem in der Buchhandlung, die sich im Gasthaus „de Blauwvoet“ in Moorslede befand. In der „Heilig-Hart“ Kirche in Izegem stand eine Bibliothek mit einem Leseraum zur Verfügung, für die in Izegem einquartierten Soldaten.

Im Zentrum von Ingelmunster fanden oft Festivals, Paraden und Zapfenstreiche statt. Solche Veranstaltungen wurden speziell organisiert, um die Offiziere zu unterhalten. Die Soldaten dagegen, gingen vor allem in der Nähe vom Bahnhof in Ingelmunster aus. Von diesem Trend machten die Einwohner in der Nähe vom Bahnhof Gebrauch: Es dauerte nicht lange bis alle Häuser entlang des Bahnhofsvorplatzes in Kneipen oder Hotels umgebaut wurden. Die Lepelstraβe in Ingelmunster wurde zu einer berüchtigten Straβe, weil sie als das Rotlichtviertel des Dorfes betrachtet wurde. Um Missstände zu vermeiden, wurden Präventivmaβnahmen getroffen: von Zeit zu Zeit wurde die Polizeistunde der Kneipen auf 19 Uhr festgelegt. Ab und zu bat man die Deutschen auch, ihre unzüchtigen Frauen nach Brügge zu transportieren. (link naar verzorging van gewonden) Im März 1917 wurden die deutschen Soldaten in Ingelmunster und in den Nachbardörfern sogar dazu gezwungen, die untüchtigen Frauen anderswo unterzubringen. Viele wurden unter anderem im lokalen Kloster untergebracht. Die Deutschen bauten manche Häuser auch in Kasinos um. Unter anderem im „Huis van Ooteghem“ in Ingelmunster, im „Café de La Station“ in Lichtervelde und im „Hof ter Driewegen“ in Hooglede wurde jeden Abend über die Ereignisse des Tages geredet.

Im Alltagsleben der Soldaten wurde auch die Religion nicht aus dem Auge verloren: die Soldaten konnten Gottesdiensten und Messen beiwohnen. Da Weihnachten in der deutschen Kultur ein wichtiger Feiertag war, organisierte die deutsche Armee um diese Zeit Feste, um Weihnachten zu feiern. Auch die lokale Bevölkerung konnte diese Feste manchmal genieβen. In Roeselare, in den Räumen der „Heiligen St. Germana“, wurde zum Beispiel ein Weihnachtsfest organisiert, wozu auch die einheimischen Kinder eingeladen waren. Auch in Oekene, im Gasthaus „het gemeentehuis“, wurde ein Weihnachtsfest mit Getränken, Musik, Gesang und Tanz veranstaltet. Die deutschen Weihnachtsfeiern während des Ersten Weltkrieges haben auch einen belgischen Weihnachtsbrauch mit sich gebracht: den Weihnachtsbaum.

Ende des Jahres 1914 verbesserten sich allmählich die Beziehungen zwischen den deutschen Soldaten und der Bevölkerung der BIE-Region. Manchmal entstanden enge Beziehungen zwischen den Zivilisten und den in ihren Häusern einquartierten Soldaten. Ab und zu entwickelten sich sogar Liebesverhältnisse, die Ehen und Kinder zur Folge hatten. Die lokale Bevölkerung passte sich auch ziemlich schnell an das Alltagsleben unter deutscher Besetzung an und viele Zivilisten eröffneten Läden, wo die Soldaten Souvenirs, Tabak und Lebensmittel kaufen konnten.