Regeln und Gesetze

In den ersten Monaten des Krieges zeigte sich schon schnell, dass die Deutschen die Besatzung gut vorbereitet hatten. In fast allen besetzten Gemeinden wurde ein Besatzungsregime etabliert, das die Einwohner dazu zwang, zahlreiche Regeln und Gesetze einzuhalten.

Während der Besetzung wurde Belgien in drei Gebiete aufgeteilt: Das erste Gebiet war das Okkupationsgebiet und nahm den gröβten Teil des belgischen Territoriums ein. Zweitens gab es ein Etappengebiet, das zum groβen Teil West- und Ostflandern und Stücke von Hennegau und Luxemburg beinhaltete. Schlieβlich bestand das dritte Gebiet, das Operationsgebiet, aus einer 25 Km breiten Frontzone. Die meisten Gemeinden und Städte befanden sich im Operationsgebiet, mit Ausnahme vom Dorf Ingelmunster, das beim Etappengebiet eingeteilt wurde. Zivilisten durften das Gebiet hinter dem Dörfchen „Stadenberg“ nicht länger betreten. Stadenberg war das Dörfchen, das die Grenze zwischen dem Operationsgebiet und der Frontlinie markierte. Je näher eine Gemeinde an der Front gelegen war, umso schärfer wurden die von den Deutschen aufgelegten Regeln.

In fast jeder Gemeinde wurde eine Ortskommandantur errichtet, mit einem Ortskommandanten an der Spitze. Im Laufe des Krieges lösten sich verschiedene Ortskommandanten ab. Das Dorf Lichtervelde kannte zum Beispiel 19 verschiedene Verwaltungen im Laufe der Besetzung. Die Ortskommandantur dieses Dorfes wurde in der Schule in Sleihage errichtet.

Der Ortskommandant kümmerte sich um die Ruhe, Ordnung und Sicherheit. Weiter war er für die deutsche Infrastruktur und die Unterkunft, Versorgung und Erholung der einquartierten Truppen verantwortlich. In der BIE-Region wurden viele Soldaten in Schulen, Fabriken oder anderen groβen Gebäuden untergebracht. Oft wurden die deutschen Soldaten aber auch bei jemandem zu Hause untergebracht. Die Zivilisten wurden manchmal dazu gezwungen, ihre Häuser an den deutschen Besatzer zu übergeben, wenn die verfügbaren Quartiere in ihrem Dorf nicht ausreichten, um die deutschen Soldaten unterzubringen. Teilweise waren über 1000 Soldaten in Hooglede-Gits stationiert. Nach der Ersten Ypernschlacht kamen in Roeselare 7000 Soldaten an.

Es wurde viele Regeln aufgestellt, die die Einwohner einhalten sollten. Im Allgemeinen trafen ähnliche Regeln für die Gemeinden im ganzen besetzten Gebiet zu. Trotzdem variierten die Härte und Willkür der Regeln, abhängig vom leitenden Ortskommandanten. Die deutschen Behörden regulierten die Öffnungszeiten der Gasthäuser und die Einlieferung der Tauben. (link Spionage und Widerstand?) Die Zivilisten wurden gebeten, ihre Uhr auf die deutsche Zeit einzustellen, und daneben wurden auch französische Aufschriften verboten. Unter Leitung von manchen Ortskommandanten, wie Rittmeister Stephenson in Hooglede, wurde die deutsche Verwaltung zu einer richtigen Terrorherrschaft. Manche Ortskommandanten forderten rücksichtslos Geld, Nahrung, Güter und Arbeitsleute ein. Auch Ortskommandant Prasse in Roeselare galt als ein strenger Mann.

Theoretisch behielten die Bürgermeister und Beigeordneten in den Gemeinderäten ihr Mandat und blieben für den öffentlichen Dienst verantwortlich, während die deutschen Behörden für die militärischen Aspekte der Verwaltung zuständig waren. In der Praxis aber, hatten die regionalen Behördenkörper nicht viel zu sagen und mussten sie nach der Pfeife der deutschen Verwaltung tanzen. 

Bild: Kollektion Stadsarchief Roeselare